Beweise
05.03.2009 von JUSTUSBeim Einsturz des Historischen Stadtarchivs in Köln sind nicht nur unschätzbare Dokumente vernichtet worden, sondern auch die Beweise, die zur Aufklärung etwaiger Verantwortlichkeiten für diese Katastrophe hätten führen können. Die Schutzwand, die wahrscheinlich gebrochen ist und so den Weg frei gemacht hat für das Erdreich unter dem eingestürzten Archivgebäude, liegt verschüttet unter einer Mischung aus Erde, Trümmern, Grundwasser und 1000 cbm Beton, die in die Baugrube gepumpt wurden, um die Unglücksstelle zu stabilisieren.
Ginge es in Köln nicht um den Bau einer U-Bahn, sondern um Gewinnung von Bodenschätzen, sähe die Beweislage für die Geschädigten besser aus, aber das Bundesberggesetz ist hier nicht anwendbar. So könnten Ersatzansprüche schon daran scheitern, den Verantwortlichen ausfindig zu machen. Bleibt nur ein anderer Ansatz. Es ist nicht der erste Bauschaden, der sich im Rahmen dieses Mammutprojekts ereignet hat. Nicht nur Mitarbeiter des Archivs, sondern viele Anwohner haben sich über Risse in ihren Häusern und Wohnungen beklagt. Jedesmal kamen Gutachter zu dem Ergebnis, dass die Risse die Statik des Gebäudes nicht beeinträchtigen. Eine fatale Fehleinschätzung.
Aber waren diese Gutachten auch für die Bauverantwortlichen als fehlerhaft erkennbar? Grundsätzlich schützen solchen Gutachten davor, straf- oder zivilrechtlich für Schäden in Anspruch genommen zu werden. Nicht jedoch, wenn das Ergebnis des Gutachtens von dessen Auftraggeber quasi vorgegeben wurde und auch nicht, wenn bestimmte Geschehensabläufe von der Begutachtung ausgeklammert wurden. Zu denken wäre z.B. an das Grundwasserproblem.
Nicht nur im Bereich der jetzt verschütteten Baugrube wurde rund um die Uhr Grundwasser abgepumpt. Das kann zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels geführt haben und zu einer Beschleunigung der Grundwasserströme. Kölner Gebäude stehen nicht selten auf einem Boden, der an eine Schwarzwälder Kirschtorte aus Resten römischer Bauwerke und Weltkriegsschutt erinnert. Eine ausgetrocknete Torte wird bröselig und trägt das Gebäude nicht mehr. Gebäudenschäden sind dann wahrscheinlich. Der Einsturz des Archivgebäudes lässt sich damit aber kaum erklären. Da müssen noch andere Ursachen eine Rolle gespielt haben und die wird man unter den Betonmassen wohl nicht ausfindig machen können.
Druckversion
Kategorie: Lokales

top